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8 Pandemie-Office-Hacks

Oder: Wie ich versuche, in Zeiten von Corona als digitaler Heimarbeiter klarzukommen.

„You’re not working from home. You’re at home during a crisis, trying to work.“

Nach geschlagenen neun Monaten Remote-Wuppe mit Rechnerecke im Schlaf- und Wohnzimmer bin ich vom gerade wohl alternativlosen Arbeitsparadigma für moderne Medienarbeiter ganz schön angenervt. Was ich allerdings – abgesehen vom Zustand der Welt – noch nerviger finde, ist die Flut von Beiträgen zur (vermeintlichen) „Home Office“-Optimierung.

„Du brauchst eine optimierte Tagesroutine! Pro-Tipp: Aufstehen um 5:30 Uhr. Dann: 55 Minuten Power-Yoga. Dann: 5 Minuten Frühstück (1/2 Birne und ein Knäckebrot). Dann: 240 Minuten Deep-Work.“

„Hol dir das neue XR-Giga-Headset und treffe deine Kollegen und Projektpartner in der virtuellen Business-Lounge!“

Solchen und ähnlichen Mumpitz musste ich leider schon oft lesen und hören. Damit wir uns nicht falsch verstehen: Natürlich kann man die Home-Office-Situation verbessern. Überzogene Selbstdisziplin und krasse Tech-Aufrüstung sind aber kaum der Weg zum Ziel.

Home Office Corona Pandemie
Alles gleichzeitig und alles gleich wichtig: erzwungenes Home Office zur Corona-Pandemie. Bild: Charles Deluvio / Unsplash

Im Folgenden habe ich ein paar einfache, kostenlose bis kostengünstige und hoffentlich nicht völlig bekloppte Tipps zusammengetragen, die mir geholfen haben, die Lohnarbeit in den eigenen vier Wänden besser zu ertragen. Los geht’s:

1) Macht euch klar: Das hier ist eben KEIN „Home Office“.

Ihr habt euch nicht temporär auf die heimische Couch zurückgezogen. Ihr sitzt im obligatorischen Pandemie-Büro. Hier gibt es über Wochen und Monate: kein Team, mit dem auf Anhieb locker quatschen kann, keine tolle Büroausstattung, keinen fancy Kaffeeautomaten, keine Kantine. Niemand putzt, niemand leert die Papierkörbe. Stattdessen klingeln Paketboten und Handwerker. Und Partner*innen sowie Familienangehörige rennen durchs Zimmer, um die ihr euch natürlich kümmern müsst und sollt. Vor allem, wenn mal wieder irgendeine Einrichtung geschlossen ist – oder jemand in Quarantäne sitzt. Das mit der Konzentration hat auch schon mal besser geklappt … Was ihr da macht, ist eine außerordentliche, nicht selbstverständliche Büroarbeit – siehe Netz-Bonmot am Anfang des Beitrags.

2) Seid euch trotz allem eurer Privilegien bewusst.

Pandemie-Office ist anstrengend, aber: Ihr sitzt nicht an der Supermarktkasse und müsst auch keine Intensivbetten betreuen (das machen die meist zu Recht so bezeichneten Held*innen). Vielleicht habt ihr sogar den gleichen Job wie vor Corona (mit weniger Kontrolle durchs Management, juhu). Oder ihr seid in (finanziell abgefederter) Kurzarbeit. Oder oder. Auf jeden Fall müsst ihr nicht permanent Masken tragen und die absolute Grundversorgung sicherstellen. Wer sich das öfters vergegenwärtigt, kommt vermutlich besser klar. Ansonsten gilt: Wenn’s euch ganz gut geht, spendet doch ein bisschen an Initiativen, die sich um heftige Corona-Verlierer*innen kümmern: Menschen, die alt und alleine sind; Menschen, denen jedes Einkommen weggebrochen ist; Menschen, die dicht zusammengedrängt und mit miserabler Versorgung an den europäischen Außengrenzen in Lagern sitzen. Ok. Erst mal durchatmen, bevor wir zum nächsten Punkt kommen.

3) Gönnt euch ein bisschen psychischen Komfort. 

„Warum sollte ich super früh aufstehen? Mein erster Termin ist um 9.15 Uhr, da penne ich einfach mal bis 8.45 Uhr“, meinte neulich eine Kollegin zu mir (im Video-Call). Und Recht hat sie. Nutzt die durch entfallende Pendelwege gesparte Zeit, um ein bisschen mehr zu relaxen. Jedenfalls dann, wenn ihr keine Kinder habt – die natürlich zu festen Zeiten in die Kita oder Schule müssen. Entre nous: Nach der morgendlichen Runde mit den Pänz kann man sich im Pandemie-Office durchaus noch ein halbes Stündchen aufs Ohr hauen.

4) Gönnt euch ein bisschen materiellen Komfort. 

Nein, keine luxuriöse 6DoF-VR-Brille, kein Designer Desk und auch keine neue Einbauküche, sondern Sachen, die wirklich was bringen. Essenziell: Ein ordentlicher Bürostuhl (Rücken und so). Ein großer, externer Monitor (Augen und so). Ein guter Noise-Cancelling-Kopfhörer mit eingebautem Mikro (Ruhe und gute Audio-Qualität). Ein USB-Hub (Laptop ohne Stress an Peripherie koppeln). Außerdem ganz wichtig: das ein oder andere Mittagessen aus dem Asia-Restaurant, der Pizzeria oder dem Falafel-Laden um die Ecke (dann geht auch die lokale Gastro nicht pleite).

5) Stellt euch passende Software-Werkzeuge für die Tele-Arbeit zusammen.

Beachtet dabei nach Möglichkeit die Vorgaben von Arbeitgebern und Kunden, aber: Haltet euch nicht sklavisch daran. Wenn Konferenz- und Orga-Tool X hakelig ist und Probleme bereitet, nutzt Konferenz- und Orga-Tool Y. Es gibt (fast) immer eine Alternative. Gerade in kleineren Arbeitsgruppen sollte das Umswitchen kein Staatsakt sein. Immer dran denken: Es geht nicht um 100%ige Compliance oder gar Befriedigung von Lobby-Interessen, sondern darum, einen Job vernünftig zu erledigen. Hui. Vielleicht der kontroverseste Punkt.

6) Erinnert euch an alte, analoge Methoden der Kollaboration. 

Wenn die Kolleg*innen in der gleichen Stadt/Region wohnen, könnt ihr sie auch draußen treffen. Oder in einem großen Raum mit viel Abstand und/oder offenen Fenstern. Packt die Gadgets ein, schwingt euch aufs Fahrrad (notfalls ins Auto) – und auf geht’s. Vis-à-vis-Besprechungen, -Sprints und -Workshops – so gut!

7) Verlasst öfter das Haus.

Das hier ist eigentlich eine Binse, aber immer wieder höre ich von Menschen, die 24/7 in der Bude hocken. Ihr braucht täglich frische Luft und Bewegung, Leute! Und die Chance, sich bei einem Spaziergang mit Maske durch den Stadtpark oder -wald COVID-19 einzufangen, geht gegen Null. Sagen sogar die Drosten-Ultras.

8) Sucht euch ein externes Pandemie-Office.

Hä? Ganz einfach: Gerade in größeren Städten gibt’s aktuell viele wenig bis gar nicht genutzte Räume: Clubs, Restaurants, Galerien etc. Klopft da an und fragt, ob ihr euch hin und wieder gegen einen kleinen Obolus einquartieren dürft. Win/win-Situation: Ihr kommt aus der Bude raus. Und die Betreiber*innen stehen nicht völlig ohne Einnahmen da.

Soweit also mein persönlicher Leitfaden fürs Pandemie-Office. Habe ich was Wichtiges vergessen? Oder irgendwo Unsinn verzapft? Ich bin gespannt auf Feedback!

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