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Kolophon #19: Medienpädagogik

„Wir haben bis Mitte November kein Internet zuhause“, klagte eine Freundin kürzlich. „Der Providerwechsel hat uns eine ungewollte Offline-Zeit beschert. Bei der Gelegenheit: Hast du eigentlich noch DVDs, die du mir leihen kannst? Ich habe mein komplettes mobiles Datenvolumen dafür gebraucht, die Hausarbeiten der Kinder pünktlich an die Schule zu senden.“ 

 

„Ab Mitternacht ist das WLAN sowieso immer aus“, ergänzte meine Freundin. „Ich weiß ja selbst, wie viele Stunden man sich Online-Games verlieren kann.“ – Eigene Erfahrung mit Medien und ein offener Zugang auf das, was Kinder gern im Netz tun, sind extrem hilfreich. Ganz unabhängig von Schlussfolgerungen und Methoden. Foto: Photo by Annie Spratt on Unsplash

Dies geht raus an all jene, die denken, Familienleben ohne Internet sei so romantisch wie realistisch. Fakt ist: Wir benötigen das (holy) WLAN nicht nur zu unserer Unterhaltung, wir benötigen es für Job, Schule, Weiterbildung. Um unsere Steuererklärung einzureichen, Einladungen zu Elternabenden zu erhalten oder die Tickets für Tool klar zu machen. Um die (natürlich ungeliebte, aber dennoch bestehende) WhatsApp-Gruppe unserer Familie mit Fotos und Anekdoten unseres Alltags zu bereichern. Oder um schnell nachzuschlagen, wie lang man zum nächstgelegenen indischen Restaurant fährt, wie die Raten des örtlichen Fitnessclubs sind oder ob bereits mit dem Dreh der fünften Staffel „Better Call Saul“ begonnen wurde. Was man abends auf dem Sofa eben noch schnell klären muss ;)

Statt der üblichen Fluch-oder-Segen-Diskussionen, statt der Frage „Offline oder Online“ gilt also längst: Unser Offline-Leben hat unzählige Schnittstellen zur Online-Welt. Fließt zusammen, ist eins. Das gilt auch für unsere Kinder. Und auch wenn wir es selbst nicht immer drauf haben: Ihnen sollten wir ein Gespür dafür mitgeben, wie viele Stunden vor dem Smartphone ihnen gut tun. Wie sie (verantwortungs-)bewusst mit Insta und WhatsApp umgehen. Wie sie sich vor Mobbing schützen und woran man Fake News erkennen könnte. Warum Fotos (von sich, von Freunden, von Fremden) nicht einfach irgendwo hochgeladen und Adressen nicht weitergegeben werden sollten.

Wie sich dieser verantwortungsvolle, aber dennoch offene und zeitgemäße Umgang mit Medien vermitteln lässt, schreiben die Medienpädagogen Björn Friedrich und Tobias Albers-Heinemann in ihrem Elternbuch zu WhatsApp, YouTube, Instagram & Co. – Und: Björn Friedrich hat für unseren Podcast „Kolophon #19“ mit Tim Pritlove gesprochen. Die etwa einstündige Aufzeichnung gibt es an dieser Stelle. Meine Freundin hat’s schon gehört – und etwas extra Datenvolumen gekauft. Für die Kinder.

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