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Webweek und Make Rhein-Main: Wenn Digitalisierung auf Hardware trifft

Schrottroboter, Vorträge über Agiles Arbeiten, ein Pub Quiz der Digital Media Women und vieles mehr: Unter dem Dach der Webweek darf sich die Region Rhein-Main vom 21. bis 27. Mai über abwechslungsreiche und spannende Events freuen. Wir haben mit Organisator Roman Keßler gesprochen.

Hallo und guten Morgen, Herr Keßler. Auf der Website der Webweek Rhein-Main steht: „Willkommen in Deutschlands Silicon Valley“. Was macht die Region um Frankfurt denn aus, welche Parallelen gibt es zu San Francisco?

Das ist näher dran, als man denkt. Das Rhein-Main-Gebiet ist in verschiedene kleine Zentren aufgeteilt – Frankfurt als das größte Dorf Hessens, Wiesbaden als Landeshauptstadt, die Digitalstadt Darmstadt sowie die drei Städte Aschaffenburg, Offenbach und Gießen, die bei der Webweek dabei sind. In all diesen Städten wird sehr viel geforscht und produziert. Wir wollen erreichen, dass man sich stärker als eine Einheit versteht. Die Region steht gemeinsam im internationalen Wettbewerb. Und auch im Silicon Valley gibt es mehrere zentrale Orte, wie Mountain View, Palo Alto und so weiter, die gemeinsam als eine Einheit hervortreten. Das wollen wir mit der Webweek Rhein-Main auch hier in der Region befördern.

Roman Keßler Webweek Rhein-Main

„Die Region stärker als Einheit hervortreten lassen“: Roman Keßler ist Initiator der Webweek und Make Rhein-Main. Foto: andreborges.de

Es gibt viele Gruppen und Vereinigungen in der Region, die wir teilweise auch schon aus unserem User Group-Programm kennen. Und einige davon veranstalten nun unter dem Dach der Webweek auch Meetups oder Vorträge. Was sind die Highlights in diesem Jahr?

Los geht es am Montagnachmittag mit einem großen Fest in der Frankfurter Brotfabrik, wo man sich im Hof bei kulinarischen Genüssen einstimmen kann. Es ist ja Pfingstmontag, ein Feiertag – alle haben also genug Zeit. Drinnen können Kids und jung gebliebene Menschen bei unserem WM-Orakel auf der Konsole Fußball spielen. Wir werden die Partien der WM auf zwei Screens „vorspielen“. Man kann also schon mal schauen, wie es in Russland laufen könnte. Wer Fußball nicht mag, kann flippern oder an Retro-Rechnern wie dem Commodore C64 zocken. Abends veranstalten dann die Digital Media Women in der Nähe der Frankfurter Börse ein Pub Quiz zum Thema Digitalisierung – übrigens nicht nur für Frauen offen.

Webweek Rhein-Main

Zum Einstieg in die Webweek: Ein Fest in der Brotfabrik und Zocken mit Retro-Games. Foto: Make Rhein-Main

Am Dienstag geht es zur Agilen Konferenz, und am Mittwoch und Donnerstag freue ich mich auf die Partys – am Mittwoch findet die FinTech-Party statt, also für Finanztechnologie – das ist hier in der Region, gerade in Frankfurt, natürlich ein großes Thema. Am Donnerstag steigt die Donkey Bar, eine Party für die Kreativen. Werbe- und Kommunikationsagenturen sind eingeladen, miteinander zu feiern.

Und am Wochenende findet die Make Rhein-Main statt, das ist dann der Höhepunkt. Hier zeigen wir, was passiert, wenn Digitalisierung auf Hardware trifft. Wir haben moderne Bastler eingeladen, die etwas mit Drohnen oder 3D-Druckern auf die Beine stellen. Da kommen verrückte Sachen heraus, wie zum Beispiel eine fliegende Badewanne von den Real Life Guys. Oder ein Elektro-Renner, der in 2,5 Sekunden von 0 auf 100 beschleunigt. Es wird einen Ultraschall-Levitator geben, mit dem man per Schall Wassertröpfchen fliegen lassen kann. Dazu ein tolles Vortragsprogramm zum Thema Cybercrime.

Die Make ist ja am Wochenende, wenn auch viele mit der ganzen Familie unterwegs ist. Wie ist das bei Euch, bietet die Make etwas für Kinder?

Aber ja, logisch! Die Make ist etwas für die ganze Familie. Was am besten bei den Kindern ankommt, ist der HeBoCon , das Sumoringen der Schrott-Roboter. Man kann auch vor Ort noch seinen Roboter basteln und ihn dann ins Rennen schicken. Gerade für die Kinder ist das super – zum Tränen lachen.


„Das ist ein Heidenspaß, jeder kann mitmachen. Da gab es schon die verrücktesten Sachen, in München hat mal jemand drei Weißwürste fahren lassen. Oder es gab mal einen Vulkan aus Pappmaché“, sagt Roman Keßler. Hier ein Eindruck von der Make Munich 2016.

Jetzt ist Euch gelungen, mit dem Historischen Museum auch kommunale Einrichtungen in die Webweek einzubeziehen. Warum war Euch das wichtig, aus der IT-Szene herauszugehen?

Das Historische Museum hat ein sehr hohes Interesse an Social Media, und ich finde es auch gut, dass sie aus ihrer Ausstellung heraus kommunizieren und einfach zeigen: „Uns gibt es und diese tollen Sachen machen wir.“ Auch andere tolle Institutionen sind dabei, zum Beispiel gibt es im Polizeipräsidium Westhessen in Wiesbaden zwei Polizisten, die unter dem Motto #MitHashtagundHandschelle ganz offiziell twittern. Und das ist natürlich auch spitze – und eine Möglichkeit für diese öffentlichen Einrichtungen, sich über tägliches Arbeiten hinaus miteinander zu vernetzen und zu zeigen, was sie machen und warum. Viele Twitterer folgen häufig der Feuerwehr oder der Polizei, um zu sehen, was aktuell in der Stadt passiert ist, warum irgendwo Stau ist oder ähnliches. Und deshalb freuen wir uns, das diese Institutionen dabei sind. Digitalisierung geht uns alle an.

Über Webweek & Make Rhein-Main

Die Webweek läuft vom 21. bis 27. Mai 2018 an verschiedenen Orten innerhalb Frankfurts sowie in Darmstadt, Wiesbaden, Gießen, Offenbach und Aschaffenburg. Die hier genannten Veranstaltungen sind nur ein Auszug aus dem kompletten Programm, das Ihr hier abrufen könnt. Für jedes Event lassen sich gesondert Tickets buchen, fast immer sind aber gar keine Tickets nötig und die Veranstaltungen gratis.

Am Wochenende 26./27. Mai findet die Make Rhein-Main im MakerSpace „Tatcraft“ statt. Hierfür könnt Ihr sowohl Tickets vorab kaufen als Euch auch noch für einen eigenen Vortrag bewerben. Aktuell läuft noch ein Crowdfunding, über das Ihr die 6. Make unterstützen könnt.

Können Sie uns ein wenig über Ihren eigenen Werdegang berichten? Wie sind Sie zum Initiator der Make Rhein-Main geworden?

Im Jahr 2013 hatte ich eine Phase in meinem Leben, in der ich mich neu orientiert habe. Ich hatte ein wenig Zeit und deshalb bei der Organisation der Make Munich mitgeholfen. Das hat mich einfach begeistert, dieses innere Feuer und diese intrinsische Motivation, die die Menschen dabei hatten. Und dann dachte ich: So etwas brauchen wir in Frankfurt auch. Die Webweek und die Make funktionieren dabei auf die gleiche Weise: Wer mitmacht, erhält unsere Leistungen umsonst. Und die Besucher und die Sponsoren helfen, das zu finanzieren.

Die erste Make habe ich dann organisiert, weil ich mal ein Spiel entwickelt habe, das heißt Retro-Rechner-Quartett. Dieses Quartett lief so erfolgreich, dass dabei Geld übrig geblieben ist. Es gibt das Spiel auch heute noch, es zeigt in 32 Karten, wie sich die Technologie weiterentwickelt hat – und das wird in Zukunft so weitergehen, und zwar eher schneller als langsamer. Gerade deshalb sind die Make und Webweek für mich so wichtig. In meinem Leben gab es drei Revolutionen, und nur eine einzige davon war politisch motiviert, das war die Deutsche Einheit. Die anderen beiden waren der Personal Computer und das Internet – und beides wurde dann plötzlich in einem Smartphone zusammengefasst. Das hat unser tägliches Leben komplett beeinflusst und wir müssen uns damit auseinandersetzen, sonst sind wir dem einfach ausgeliefert.

Ich bin jetzt 40 Jahre alt und weiß noch genau, wie es war, als es keine Handys gab. Da war man in der Kneipe mit Freunden verabredet und hat sich gewundert, warum sie nicht kamen. Heute undenkbar, man ruft gleich an und sagt, dass es später wird …

… oder wir verfolgen sie gleich per GPS …

(lacht) Genau, oder das.

Zum Abschluss: Ihre drei Hashtags?

Das liegt ja auf der Hand: Neuland, Frankfurt, Make Rhein Main.

Herr Keßler, ich danke für das Gespräch und wünsche eine rundum gelungene, bereichernde Webweek und Make Rhein-Main!

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