Kommentare 7

NFC-Spielereien – ein Praxisbericht

NFC (Near Field Communication) ist mittlerweile fast in jedem Smartphone vorhanden. Im März haben wir im Blog erklärt, was NFC ist und wie es funktioniert. Aber nicht nur als Bezahldienst ist es interessant – NFC bietet auch für Maker und Tüfftler einige spannende Möglichkeiten. Unser DIY-Lektor Volker ist schon völlig drin in der NFC-Welt. Er plaudert ein wenig aus dem Nähkästchen und stellt sein MakerFaire Projekt vor:

Das Schöne an der NFC-Spielerei ist, dass man nicht viel dafür braucht, um NFC auszuprobieren:

  • ein NFC-taugliches Smartphone
  • einen oder besser mehrere NFC-Tags
  • eine NFC-App
  • eine Anwendungsidee

Mittlerweile sind viele Android-Smartphones NFC-tauglich, Samsung stattet seine meisten Modelle seit 2010 mit einem NFC-Modul aus. Häufig muss NFC in den Einstellungen des Smartphones aktiviert werden. Gelegentlich verhindert ein nicht originales Akku, dass der NFC-Tag ausreichend mit Strom versorgt werden kann.

NFC-Tags sind auch in kleiner Bestellanzahl preiswert. Ich habe mir fünf selbstklebende NFC-Etiketten (NFC Tag Label Sticker 38mm NXP NTAG203) für zusammen drei Euro bestellt. Die Kosten pro Tag schmelzen auf bis zu 30 Cent, wenn man eine größere Stückzahl bestellt. Diese Tags kann man beliebig oft beschreiben und auch wieder löschen. Sie sind batterielos, das bedeutet, sie sind auch wartungsfrei und lagerungsfähig.

Es stehen zahlreiche NFC-Apps zum kostenlosen Download bereit. Ich habe etliche Apps ausprobiert. Prinzipiell gibt es dabei drei Gruppen: Apps, die Infos aus NFC-Tags auslesen und darstellen können (beispielsweise NFC TagInfo by NXP) sowie Apps, mit denen man sowohl Infos auslesen, aber auch NFC-Tags programmieren kann (beispielsweise NFC TagWriter by NXP). Und eine dritte Gruppe von NFC-Apps (z.B. App launcher NFC tag maker) ermöglicht die Ausführung von auf dem Smartphone installierten Anwendungen, wenn man ein NFC-Tag ausliest.

Ich werde im Folgenden mit der App NFC TagWriter rumspielen. Ich kann mit dieser App

  • Text auf den NFC-Tag schreiben (max. 168 Byte für den verwendeten Tag-Typ). Wird der Tag dann mit einem Smartphone ausgelesen, wird der einprogrammierte Text ausgegeben
  • eine E-Mail-Adresse und einen E-Mail-Text eingeben, so dass bei Aktivierung durch Berühren des programmierten NFC-Tags automatisch das E-Mail-Programm des Smartphones aufgerufen wird und die voreingestellte E-Mail-Adresse samt Text bereits eingetragen sind.
  • ein SMS-Text samt Handy-Nummer, an die der Text geschickt werden soll, auf dem Smartphone aktiviert werden, mit dem ich den NFC-Tag berührt habe.
  • ebenso URLs voreintragen, die dann automatisch durch den Browser aufgerufen werden, der auf dem Smartphone installiert ist, mit dem man den Tag ausliest.
  • eine Standortinformation, die dann beispielsweise an eine Navigations-App des Smartphones weitergereicht wird.
  • Apps auf dem Smartphone aufrufen, sofern die auf dem Gerät installiert sind.

Anwendungsidee „NFC-Bingo“

NFC0

Bingo Vorbereitungen

Ich beklebe fünf Aufkleber rückseitig mit jeweils einem NFC-Tag. Drei Tags programmiere ich als Niete, ein Tag wird ein Trostpreis und ein Tag wird ein Gewinn.

Die Nieten programmiere ich einfach als Text, indem ich in der TagWriter-App die Option „Plain text“ aufrufe und den Text „Schade. Leider verloren. Das O’Reilly-Team wünscht dir einen spannenden Tag auf der MakerFaire!“ eingebe. Nach der mühseligen Texteingabe halte ich mein Smartphone an einen NFC-Tag und ein Edeka-Kassen-ähnlicher Ton bestätigt mir, dass das NFC-Etikett erfolgreich beschrieben wurde.

Den Trostpreis- und den Gewinn-Tag gestalte ich als E-Mail-Tag. Ich wähle in der TagWriter-App die Option „Mail“, dann fülle ich eine Eingabemaske aus.

Bild1

Programmierung NFC-Tag

Mit dem Gewinn verfahre ich ebenso. Somit muss nur jemand, der beim NFC-Bingo einen Trostpreis oder einen richtigen Gewinn gemacht hat, nur die E-Mail an den Verlag abschicken, die ihm aufgrund des NFC-Tags in seinem Smartphone voradressiert und vorformuliert wird. Später wird er dann mit der Bitte um seine postalische Anschrift vom Verlag kontaktiert. Fertig ist das NFC-Bingo. Sehr simpel.

NFC2

B-I-N-G-O :)

Nützliche kleine Anwendungen könnten beispielsweise sein:

  • ein NFC-Tag am heimischen WLAN ermöglicht es Freunden, sich mit ihrem Android-Smartsphone in mein WLAN einzuklinken, ohne langreihige Zahlenkombinationen in ihre Mini-Tastatur einzugeben. Meine WLAN-Kennung wird automatisch übertragen.
  • Kurz das gesperrte und Passwort-geschützte Handy an ein NFC-Tag gehalten, das ich auf ein Armbändchen geklebt habe und schon ist das Smartphone ohne Eingabe des Passworts entsperrt, aber nur von dem, der den NFC-Tag besitzt. Jeder andere müsste das Passwort korrekt eingeben.
  • Ein Geräusch-Memory-Spiel: Ich klebe NFC-Etiketten auf Kärtchen, die auf Sounddateien verlinken, so dass Geräuschs-Paare gefunden werden können.

Was würde dir als nützliche oder geekige Idee für den Einsatz von NFC einfallen?

NFC3

Preisfrage: Was ist das?

Das ist ein versehentlich mitgewaschener NFT-Tag. Der tuts auch noch nach der 60-Grad-Wäsche. Das bringt mich meinem alten Traum nach einer Erfindung, die zusammengehörige Einzelsocken findet, einen kleinen Schritt weiter. Es gibt noch so viel zu erfinden… ;)

9783955618421Wer nach Volkers Bericht jetzt Lust bekommen hat, sich auch mit NFC zu beschäftigen und noch mehr darüber erfahren möchte, für den bietet das gerade erschienene Buch NFC mit Android und Arduino einen umfassenden Einstieg in diese Technologie.

Sag's weiter:

7 Kommentare

  1. Hallo Volker,

    vielen Dank für den Beitrag. Hier ein weiteres Einsatzszenario:

    Wir setzen am Fraunhofer IPA die NFC-Technologie im Rahmen von unseren Industrie 4.0-Forschungsaktivitäten im Produktionsumfeld zur Optimierung der Fertigung ein. Das funktioniert im Wesentlichen so, wie Du das in Deinem Beitrag beschrieben hast:

    NFC-Tag an Produkt, Maschine, Werker, etc. angebracht und mit einem mobilen NFC-fähigen Endgerät als NFC-Reader mit installierter Tracking-App ausgelesen – schon kann das Produkt über die gesamte Produktion auch über Produktionsstandorte hinweg nachverfolgt werden. Dabei können auch verschiedene Informationen gesammelt werden: z.B. welche Bearbeitungsprozesse sind wann an welcher Maschine durchgeführt worden und wie lange hat das gedauert. In Kombination mit gesammelten Sensordaten können auch noch Umgebungsvariablen wie beispielsweise Temperatur, Beschleunigung, etc. mitprotokolliert werden.

    Ja, mit NFC-Technologie lässt sich kostengünstig so einiges umsetzen, auch im Industrie 4.0-Umfeld…

    Viele Grüße,

    Andreas

  2. Hallo Volker,

    von NFC habe ich immer wieder mal gelesen. Auch mein Handy besitzt diese Funktion. Dank deinem Artikel habe ich jetzt eine Vorstellung, was ich mit dieser Technik alles anstellen könnte. Allerdings befürchte ich, dass es einiges an „Training“ erfordert, bis ich die NFC Sticker sinnvoll nutzen kann.

    Vielen Dank und beste Grüße
    Rainer

  3. Hallo Rainer,

    NFC ist überhaupt nicht schwierig! Ich war hocherfreut, dass das alles so klappte, ohne dass ich besonders viel Ahnung von der Materie habe.

    Seit ein paar Wochen spiele ich damit rum, das Licht in meiner Wohnung über NFC-Tags zu steuern. Das macht mir ebenfalls viel Spaß.

    herzlichen dank für deinen kommentar!

  4. Nahkohe sagt

    Ich möchte eineige Tags als Notfalltag benutzen und sie in einer Kindergruppe verteilen. Sollten diese auf dem Ausflug verlohren gehen könnten andere Menschen den Tag scannen und erhielten so Kontaktdaten und Handynummer.
    Das Problem jedoch ist, jemand der zwar NFC in seinem Gerät hat, kann trotzdem die Infos nicht auslesen. Dazu muss derjenige erst eine App runterladen. Wer macht denn so etwas auf der Straße? Geht das nicht auch ohne App?

  5. Kato sagt

    @ Nahkohe
    Du könntest auch QR-Codes benutzen, statt NFC.

  6. Nahkohe sagt

    @Kato: Nun ja, dann müsste ich 15 QR Codes anfertigen und diese jedesmal neu.

    Kurze Erklärung: Da es bei uns 8 Gruppen gibt müssten jedes mal neue QR Codes ausgedruckt werden. Ist n bissel intensiv. So ändere ich auf einen Rutsch die Rufnummer und die NFC’s können weiter benutzt werden. Das Problem bleibt, wie starte ich einen Anruf ohne das ich eine Task-App benutzen muss?
    Trotzdem Danke für die Hilfe. Euch allen noch ne schöne Woche

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.