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Was ist ein Bitcoin?

Im Gegensatz zu vielen anderen in dieser Rubrik diskutierten Begriffen (BeagleBone? Jenkins? Ööh…) haben vom Bitcoin auch viele Menschen außerhalb des O’Reilly-Universums zumindest schon einmal gehört. Bei der Frage, was sich genau dahinter verbirgt, muss allerdings weiterhin ein Großteil der Bevölkerung passen, IT-Personal inklusive. Und eine Erklärung in wenigen Sätzen ist zugegebenermaßen auch nicht so einfach. Wir probieren’s trotzdem mal.

Beim Bitcoin (BTC) handelt es sich um eine virtuelle Währung, die vor ca. 5 Jahren von einer bislang nicht genau zu ermittelnden Person (oder von einem Kollektiv) namens Satoshi Nakamoto konzipiert und erstmals in Umlauf gebracht wurde – ohne Betrugsabsichten, samt Whitepaper und im Kontext der Open-Source-Community. An dieser Stelle sollten wir innehalten und zunächst den Begriff „virtuell“ in Bezug auf Geld berachten, da es sich hier um einen zentralen Aspekt des Bitcoins handelt.

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Bitcoin-Mining-Rechner: Let’s make money (Bild: Gastev/Wikimedia Commons)

Virtualität ist „die Eigenschaft einer Sache, nicht in der Form zu existieren, in der sie zu existieren scheint, aber in ihrem Wesen oder ihrer Wirkung einer in dieser Form existierenden Sache zu gleichen.“ (s. http://de.wikipedia.org/wiki/virtuell)

Heißt also übertragen auf BTC: Das ist irgendwie Geld und funktioniert auch so – man hat Vertrauen in die Funktion der Coins als (designiertes) allgemeines Äquivalent und kann damit tatsächlich bezahlen. Allerdings stehen hinter der Währung weder ein Staat noch eine Zentralbank. Politiker und Wirtschaftswissenschaftler verfallen deswegen schon mal in Panik, die Community sagt jedoch: „It’s not a bug, it’s a feature“.

Wie funktioniert nun die Generierung der Bitcoins ohne Entscheider in Washington, Beijing, Brüssel, Tokyo? Der Name lässt es bereits erahnen: Mit leistungsstarken Computern bzw. spezieller Software, und zwar völlig dezentral via Internet, Peer-To-Peer. Interessant sind dabei vor allem drei Aspekte.

  1. Admins, Bastler bzw. alle Menschen mit passender Hardware und ein wenig Sachverstand können sich (in einem unter der Haube komplizierten Prozess) an der Geldschöpfung beteiligen. Hierbei tragen sie – grob vereinfacht gesprochen – via CPU (hier: ASIC-Chips) einen Wettstreit um neu ausgeschüttetes Geld und Transaktionsgebühren aus („Mining“). Dies geschieht einerseits anonym – andererseits werden alle Transfers in transparenten Datenbanken aufgezeichnet, um Manipulationen zu verhindern; der Bitcoin ist durch diese Architektur de facto fälschungssicher.
  2. Wertgrundlage der virtuellen Münze BTC ist ausgefuchste Kryptographie, weswegen sie auch als Kryptowährung bezeichnet wird. Beim Jonglieren mit den Coins müssen also Mathepuzzle gelöst werden, was im Laufe der Zeit und mit steigender Rechen-Power immer schwieriger bzw. irgendwann unmöglich wird.
  3. Die Menge an Coins ist per Protokoll auf 21 Millionen gedeckelt. Diesem maximalen Gesamtvolumen nähert sich das Netzwerk aufgrund der steigenden „Difficulty“ asymptotisch. Durch die strenge, mathematische Begrenzung sollen Inflationseffekte vermieden und Wertzuwächse erleichtert werden (virtuelle Goldreserve).

Gehandelt werden Bitcoins heute in erster Linie bei größeren Online-Börsen, wo sie sich in „harte“ Währung wie Dollar, Yuan, Euro oder Yen tauschen lassen. Im deutschsprachigen Raum kommt hier bitcoin.de und BITSTAMP eine große Bedeutung zu, international dürfte MT.GOX weiterhin die wichtigste Adresse sein, trotz technischer Patzer dieses in Japan ansässigen Umschlagplatzes, durch die es schon zur diversen Negativschlagzeilen und damit erheblichen Kurseinbrüchen kam. Grundsätzlich scheint das Trading-Netz jedoch stabil zu sein und den Bitcoin in seiner Verbreitung zu fördern. In Metropolen wie Berlin, Bratislava, Helsinki, Stockholm und Zürich stehen sogar schon erste Bitcoin-Automaten.

Logo auf Bitcoin-T-Shirt: Vires in Numeris (Bild: Bitcoinula/Wikimedia Commons

Logo auf Bitcoin-T-Shirt: Vires in Numeris (Bild: Bitcoinula/Wikimedia Commons)

Zum Schluss ein kurzer Blick auf die Bitcoin-Einheiten: Die kleinste heißt nach dem Erfinder „Satoshi“ und entspricht 0.00000001 BTC (momentan ca. 0.000002 Euro), die größte wird als „Megabitcoin“ bezeichnet und entspricht 1.000.000 BTC (= ungefähr 200.000.000 Euro). Aufgrund seiner digitalen Natur und der geringen Transaktionsgebühren (einfache Überweisung: z.Z. ca. 0,0001 BTC = 0,02 Cent) eignet sich der Bitcoin hervorragend zum Micropayment.

Wer mehr über das spannende und kontrovers diskutierte Zahlungsmittel erfahren bzw. selber „minen“ und „traden“ möchte, vermerke unsere im Mai/Juni erscheinende Taschenreferenz Bitcoins – kurz & gut auf seinem Wunschzettel. In diesem ersten deutschsprachigen Buch zum Thema überhaupt erklärt der Berliner Bitcoin-Pioneer (und Kneipen-Betreiber) Jörg Platzer alles, was man wissen muss, um in der neuen Ära der Digitalwährungen nicht auf die Nase zu fallen. In der Zwischenzeit empfehle ich, dass aktuelle Technikturbulenzentief des BTC gelassen zu nehmen und die aufschlussreiche Fundamentalanalyse zu studieren.

7 Kommentare

  1. Vielen Dank für den gut recherchierten Artikel!
    Wer nun wissen möchte, welche Onlineshops oder Dienstleister Bitcoins bereits als Zahlungsmittel akzeptieren, findet in der Shopübersicht von bitcoin-faq.de eine große und aktuelle Auswahl.

  2. Der Artikel ist nicht mehr ganz taufrisch, meine Nackenhaare sträuben sich allerdings in Richtung Antennenstadium bei dem Satz „…international dürfte MT.GOX weiterhin die wichtigste Adresse sein, trotz technischer Patzer dieses in Japan ansässigen Umschlagplatzes, durch die es schon zur diversen Negativschlagzeilen und damit erheblichen Kurseinbrüchen kam. “ Zuerst ging es hier nicht um „technische Patzer“. Alleine der Wort „Patzer“ ist eine Verharmlosung ersten Grades, wo es um das digitale Pendant zum Banküberfall geht, egal wer hier in die Kasse gegriffen hat. Herb finde ich den letzten Nebensatz. Hier wird suggeriert, dass die negativen Auswirkungen des Disaster „Negativschlagzeilen“ seien, und nicht in erster Linie, dass Anleger schlicht und ergreifend um ihre Investitionen gebracht wurden. Aber es gilt ja noch weiterhin zu „traden“ und „minen“ und Bücher zu verkaufen. Show must go on, weswegen auch gerne weiterhin „kontrovers diskutiert“ (5 Mark ins Phrasenschwein für diese Redewendung) werden darf.

  3. Alexander Plaum sagt

    Lieber Hans-Christian, vielen Dank für deine Kritik, die ich so allerdings nicht stehen lassen kann.

    Wie du gleich zu Beginn feststellst, ist der Beitrag „nicht mehr ganz taufrisch“. Er ist – in Sachen Handelsportale & Kurse – sogar völlig veraltet. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung war MT.GOX allerdings a) noch die wichtigste Plattform und b) vor allem wegen technischer Unzulänglichkeiten in der Schusslinie (schlechte bzw. falsche Implementierung). Und so steht’s im Artikel. Zu den Negativschlagzeilen: Natürlich haben diese unmittelbar zu Kurseinbrüchen geführt. Ob zu Recht oder zu Unrecht, stand/steht gar nicht zur Debatte. Davon ganz abgesehen ging es mir in erster Linie darum, die Grundlagen des Bitcoin-Systems zu erklären – was hoffentlich gelungen ist. Das (folgenschwere) Versagen von MT-GOX und die (notwendige) Aufklärung potentieller Straftaten war/ist nicht mein Fokus.

    Irritiert bin ich von deinem „Hauptsache Bücher verkaufen!“-Vorwurf. Sicher, der O’Reilly Verlag ist ein Unternehmen, das Geld verdienen möchte bzw. muss. Ob’s bei einem relativ aufwendigen Artikel zu einem bislang unpublizierten, kleinen Spartenbuch für 12,90 Euro bzw. 9,90 Euro aber in erster Linie um den schnöden Mammon geht? Da verlost man vielleicht lieber ein „harmloses“ HTML-Einsteigerwerk auf einer großen Website.

    Was mich schlussendlich freut: Wir haben kontrovers diskutiert. 😉

  4. Ja, ich gebe zu, dass meine Polemik dann schärfer ausfiel als beabsichtigt – sorry für letzteren Punkt. Zumal ich mich selbst auch an den Produkten von des Verlags erfreue und diese auch gerne sehr wohlwollend bespreche.

    Allerdings bleibe ich auf der Sachebene bei meinen Argumenten: in dem Moment, wo im Wirtschaftsteil der Tageszeitung Ökonomen den Begriff „Schneeballsystem“ in Verbindung mit Bitcoin verwenden und 127.000 Anleger ihre Coins los sind, finde ich den Ansatz Bitcoin in freundlichen Tönen technisch erklären zu wollen, verfehlt. Das Prinzip Bitcoin mag intakt sein, nur leider haben Menschen nichts mehr davon. Anstelle eines Fazit: eine Möglichkeit wäre, Updates an News-relevante Blogartikel zu packen, wenn sich die Faktenlage im Nachhein klarer herausstellt.

  5. Alexander Plaum sagt

    Ok, dann nix für ungut – und danke für die Blumen. Nochmals in Stichpunkten zur Sachebene und den Argumenten:

    – zum Zeitpunkt, als der Artikel geschrieben wurde, war die ganz große MT.GOX-Pleite noch nicht abzusehen
    – auch danach finde ich es nicht schlimm, das Prinzip BTC neutral oder freundlich zu erklären, denn: die meisten Beteiligten sind „sauber“ und haben Spaß daran, etwas ökonomisch bzw. technisch Neues auszuprobieren; der Kurs hat sich auch wieder deutlich erholt, was für das System spricht
    – der Bitcoin mag eine volatile Währung sein bzw. eine „disruptive“ Technology und sollte dementsprechend gehandhabt werden; der Begriff „Schneeballsystem“ ist hier m.E. aber fehl am Platz
    – Updates und eine weitere Diskussion wären zwar interessant, würden aber leider völlig den Rahmen sprengen – wir sind ein Verlagsblog, keine IT-News-Seite; du kannst hier allerdings gerne passende Artikel verlinken, wir schalten das dann frei
    – ausführliche, tagesaktuelle Informationen zum Thema bieten u.a. heise.de, golem.de oder auch t3n.de an

  6. Pingback: Satoshi, Aaron & Abie oder: Zeit für ein paar Dokus | lxplm.

  7. Interessanter Artikel. Mich interessiert sehr ob sich Bitcoin in Zukunft voll durchsetzen wird?!

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