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Fragen Sie Frau Diel. Teil 2: Norbert Erd und das Ende der Selbstausbeutung

Das IT-Karrierehandbuch von Martina Diel ist vor kurzem in dritter Auflage erschienen und erfreut sich weiterhin großer Beliebtheit. Ein guter Anlass für die Autorin, ihre Fähigkeiten als Beraterin für irritierte bis unschlüssige ITler auch in unserem Blog zu demonstrieren.
Im zweiten Teil der Online-Coaching Reihe begegnen wir dem idealistisch-vielseitigen Praktiker Norbert Erd:

Norbert Erd, guten Tag. Ich bin Gestalter für digitale Medien habe mich privat zudem ausführlich mit Systemintegration beschäftigt. Mein aktueller Job bei einer kleinen Grafik-/Designagentur ist kaum IT-lastig. In meiner Freizeit baue ich für Freunde und Bekannte allerdings häufig Websites oder richte Netzwerke ein. Meistens für ’ne Kiste Bier oder Konzertkarten. Neulich hab ich mitbekommen, dass ein Bekannter von mir, der überhaupt nicht mehr kann als ich, für sowas Tagessätze von 500 Euro nimmt. Ist der bescheuert? Oder hab ich da was übersehen?

Martina Diel (Foto: J. Müller-Dupage)

Hallo lieber N….erd!

Jetzt haben Sie’s also auch bemerkt – es gibt sie da draußen, die Leute, die tatsächlich bekommen, was sie verdienen. Ihr Bekannter ist bestimmt nicht bescheuert, womöglich auch nicht besser als Sie. Aber wahrscheinlich ist er wagemutiger! Nicht nur, weil er sich als Freelancer den kalten Wind des Markts um die Nase wehen lässt. Nein, wagemutiger vor allem deshalb, weil er sich traut, nicht mehr „everybody’s darling“ zu sein und für seine Arbeit gutes Geld fordert. Trauen Sie sich das auch?

Dann denken Sie über zwei Dinge nach:
1. Was wollen Sie wirklich (Webdesign oder Netze – oder was ganz anderes) ?
2. Was können Sie, andere aber nicht oder nicht so gut (Grails… IPV6…) ?

Und nein, die Antwort „och, ich bin da flexibel, ich kann alles Mögliche machen“ zählt nicht. Wenn Sie einen Spezialisten für Ihr kaputtes Knie suchen, dann gehen Sie ja auch zu einem routinierten Facharzt – und nicht zum Onkel Doktor um die Ecke, so nett er auch sein mag.

Wenn Sie ein wenig Erfahrung gesammelt haben, fällt es Ihnen sicher auch leichter, im Privaten zu sagen, wo Ihre Schmerzgrenze für die kostenlose Rundumversorgung liegt. Auch dann, wenn Ihre Freunde erst mal dumm schauen und der eine oder andere sogar versucht, Ihnen ein schlechtes Gewissen zu machen, weil Sie sich nicht mehr ganze Wochenenden gratis um die Ohren schlagen wollen.

Und immer dran denken: Geld verdirbt nur denen den Charakter, die sowieso nie einen hatten.

Viel Erfolg!

 

Zu Teil 1: Gustas Eek und die Schlipsträger

 

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