Kommentare 1

Geek Movies & Hackerfilme Vol.2: The Computer Wore Tennis Shoes

Im ersten Teil der Reihe ging es um knallharte Sciene Fiction und Techhead-Futter, heute folgt das Kontrastprogramm. The Computer Wore Tennishoes ist ein reichlich alberner Disneystreifen aus dem Jahre 1969 (Regie: Robert Butler), der jedoch schon wegen seines Pionierstatus’ und der quietschbunten Ausstattung in keiner IT-Filmliste fehlen darf.

Die grundlegende Story ist flott erzählt: Dank der Initiative einer quirligen, wenn auch nicht übermäßig fleißigen Studentengruppe um Dexter Riley (blutjung: Kurt Russell) verliert das kleine Ostküsten-College Medfield zwar einen Teil seiner dringend benötigten Geldzuwendungen, erhält dafür aber von der lokalen Business-Größe A.J. Arno einen schon damals leicht veralteten, schrankwandgroßen Computer für den Mathe- und Technikunterricht. Beim Einbau eines Ersatzteils in einer stürmischen Gewitternacht bekommt Riley mächtig eine gewischt. Der schöne Rechner ist hin, dafür ist der ehemalige Underachiever nun allerdings mit einem Superhirn augestattet (ist doch klar!). Mit dessen Hilfe kann er – nach Vorbereitung des entsprechenden Inputs in der Studibibliothek – komplexe Matheaufgaben in Sekundenschnelle lösen oder mit sämtlichen Deligierten der Vereinten Nationen in ihrer Muttersprache parlieren.
Verständlich, dass die finanziell angeschlagene Schule Riley für ein hochdotiertes Wissensquiz anheuert, bei dem er aufgrund einer Fehlfunktion seines Computerbrains leider auch hoch sensible Daten aus den Tiefen der Speicherbänke des Kurzschlussrechners ausplaudert, die Gönner Arno krimineller Machenschaften überführen können…

Platine eines alten Großrechners

Schaltplatine eines alten Großrechners. Bei Gewitter einfach umschnallen und auf den nächsten Kirchturm klettern - dann wird man so schlau wie Wikipedia (Bild: sprisi / pixelio.de).

Der resultierende Mix aus Teenagerkrimi und Komödie ist mäßig unterhaltsam, arg vorausschaubar und bisweilgen sehr unlogisch – was uns aber nicht weiter stören soll. TCWTS lebt in erster Linie von seinem Trashfaktor, der dramatisch steigt, sobald es um technische Aspekte im Allgemeinen und Rileys Fähigkeiten im Besonderen geht. Die anfängliche Demonstration des ratternden Großcomputers mag noch als putzige Inspiration für Arduino– oder Make-Fans dienen: Über mysteriöse, nicht näher beschriebene Interfaces schließt der Rechner bei  einsetzendem Regen die Fenster, lässt die Katze herein und gibt beim Gemüsehändler eine Bestellung durch. Wenn jedoch bei Rileys Augenuntersuchung unter dem Vergrößerungsglas bunte Lämpchen blinken und die in seinem Computerbrain gespeicherten Informationen mittels EEG (!) als Videobilder (!) übertragen werden, kann die Quatsch-mit-Soße-Party richtig losgehen.

Aufgrund der unterschwelligen Obsession für Faktenwissen und der Quizshow einer Firma namens Universal Encyclopedia als Dreh- und Angelpunkt des Plots ruft uns der Film auch eine vergangene Epoche ins Gedächtnis: Die Zeit vor Webcrawlern und Wikis, die Zeit, in in der wenige große Verlage das Wissen der Welt in dicken Büchern sammelten, die meterweise Patz im Regal einnahmen und nicht immer zugänglich waren.
Was genau der am Ende von TCWTS angepriesene Elektroheliospektograph macht, wissen wohl auch heute die wenigstens Menschen. Die Suchmaschine ihres Vertrauens sagt es ihnen aber binnen weniger Sekunden – ganz ohne Kurzschluss, Bleeps und Clonks.

Zu Teil 1: Primer

Sag's weiter:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.