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Die OpenData-Bewegung

Vor einiger Zeit widmete sich das 3sat neues*-Team in einer ganzen Sendung dem Thema „Daten“: visualisiert, in Clouds, in Online-Spielen oder als Pakete via Funk. Kurz danach sah ich dann – ebenfalls auf 3sat – einen Beitrag (Mediathek, ab 16:30) über die Open Data-Bewegung. Deren Ziel: nicht personenbezogene, die Öffentlichkeit betreffende Daten müssen frei zugänglich sein, vor allem, wenn sie mit Hilfe von Steuergeldern generiert und gespeichert werden. Die Argumentation dahinter ist vielen aus dem Zusammenhang mit OpenStreetMaps bekannt: Warum sind Daten, die quasi „uns allen“ gehören, häufig nicht öffentlich zugänglich? Warum verschließen (oder verschlossen) Kommunen und Landkreise erstellte Karten in Aktenschränken, statt sie auf ihrer Website den Bürgern frei zur Verfügung zu stellen? Und weshalb werden manchmal gar die Rechte an Unternehmen abgetreten, die diese kommerziell nutzen – ohne dass die statistischen Ämter angemessene Honorare dafür verbuchen können?

Die 2.700 Mitarbeiter des Statistischen Bundesamts beispielsweise erheben tagtäglich Zahlen und Fakten zum Arbeitsmarkt, zur Preisentwicklung von Eigenheimen oder zur Abwanderung aus Deutschland. Beschließt die Bundesregierung, dass eine neue Statistik geführt werden soll, macht man sich in Wiesbaden an die Arbeit und kategorisiert, befragt, sammelt und wertet aus. Doch was passiert dann? „Alle erhobenen Daten finden Sie in unserer Auskunftsdatenbank GENESIS-Online„, teilt mir das Amt auf Anfrage mit. Seit kurzem seien die Daten auch allesamt kostenfrei abrufbar, und können in verschiedenen Formaten heruntergeladen werden.

Ein wichtiger Schritt, dem hoffentlich viele folgen – so will es die Open Data-Bewegung. Denkt man beispielsweise an die vielen Messdaten, die Umweltbehörden erheben: Dürfen und müssen Bürger nicht wissen, welche Chemikalien durch Rhein oder Wupper strömen, wieviele Feinstaubpartikel durch die „beste Wohngegend der Stadt“ schweben oder eben wie hoch die Strahlenbelastung um ein Atomkraftwerk ist? Viele dieser Daten sind ebenfalls abrufbar, jedoch häufig nur durch etwas Spürsinn zu ergooglen. Freier Zugang bedeutet noch etwas mehr.

Dabei könnte der auch die politischen Abläufe transparenter machen und die Demokratie stützen. In Großbritannien beispielsweise verfolgt die Website TheyWorkForYou das Abstimmverhalten der Abgeordneten. Auch in den USA gibt es seit längerem Open Government bzw. Gov 2.0-Bestrebungen, übrigens auch durch die O’Reilly-Konferenzen Gov 2.0-Summit und Gov 2.0 Expo inhaltlich vorangetrieben.

Meiner Generation wird häufig Politikverdrossenheit vorgeworfen – und ich reagiere immer häufiger mit Unverständnis, denn das Netz erlebe ich von Jahr zu Jahr, von Tag zu Tag als politischer, interessierter und kritischer. Die innerhalb weniger Tage gemeinschaftlich sezierte Guttenbergsche Doktorarbeit ist dafür nur ein (prominentes) Beispiel. Der Datenprofi und Journalist Lorenz Matzat vermutete in einem sehr lesenswerten Artikel, dass etablierte Politiker von genau diesem Engagement einer Crowd überfordert sind und die OpenData-Bewegung auch deshalb ausbremsen. Doch auch in Deutschland ist nun der Anfang gemacht: Anfang April 2011 genehmigte der Ältestenrat des Deuschen Bundestags endlich den Einsatz der Webanwendung Adhocracy. Mit deren Hilfe können Bürger politische Entscheidungen beeinflussen, in dem sie etwa zum 18. Mitglied der Enquete-Kommission werden.

Wenn Sie sich für die Arbeit der OpenData-Bewegung interessieren, schauen Sie auf der Website des OpenData Networks vorbei. Auch auf der diesjährigen Re:publica gab es einige Vorträge zu Thema, und am 18. Mai findet in Berlin der „Open Data Day 2011“ statt. Aktuell läuft zudem die OpenData Challenge. Bei diesem Wettbewerb wird aufgefordert, frei verfügbare Datenquellen auf neuartige, nützliche Weise miteinander zu verknüpfen. Die u.a. von Google gesponserte Challenge verspricht Preisgelder bis zu 20.000 Euro und wird EU-weit durchgeführt. Vielleicht haben Sie ja eine Idee? Einige wunderbare Beispiele hat z.B. der Pädagoge Guido Brombach im Dotcom-Blog zusammengefasst.

 

*Absolut unverständlich ist für mich, warum 3sat die Sendung im Juli einstellen will. Wo bitte ist die ePetition, die ich dagegen unterzeichnen darf?

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