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Das Frühjahrsfachgespräch der GUUG: Netzwerksicherheit und Virtualisierung

Die gerade zu Ende gegangene CeBIT stand ganz im Zeichen von Cloud Computing. Nun sind CeBIT und FFG kaum zu vergleichen, das eine die große Messe zu allen Bereichen der IT, die Umsatz bringen soll, das andere die kleine, hochkarätig besetzte Konferenz, bei der vor allem Knowhow ausgetauscht werden soll. Dennoch ist das Rechnen in der Wolke auch bei GUUGlern ein Thema. Wir haben  Dr. Dirk Wetter, den Programmverantwortlichen des FFG gefragt, was für den diesjährigen GUUG-Hauskongress noch geplant ist.

Dirk, in der kommenden Woche beginnt das jährliche Frühjahrsfachgespräch der GUUG, diesmal in Weimar. Was erwartet die Besucher?

Dirk Wetter

In hanseatischer Bescheidenheit ausgedrückt: das Übliche halt. Solide Grundlagen für Sysadmins von Netzen und Systemen auf Track 1 am ersten Konferenztag, etwas fortgeschrittenere Themen wie Dateisysteme und Storage im Track 2. Dann eine kräftige Prise Sicherheit in Track 1 am zweiten Tag, während Track 2 sich rund vielen kleine System-Themen bei größeren Sites annimmt, als das sind Backup, SAP, Mail und Netzwerkvirtualisierung.

Der Keynote von Professur Dueck wird gespannt entgegengesehen. Da er als CIO und Gastredner häufig unterwegs ist, hatte es schon ein wenig Energie gekostet, ihn zu überzeugen. Es gab ja schon einige Keynotes abseits unseres „Dunstkreises“, was ich immer recht erfrischend finde, da die Perspektiven dann anders sind. Beispiele: Horst Samsel vom BSI, der überraschenderweise seinen damaligen Präsidenten Udo Helmbrecht mit angeschleppt hat. Denn gab’s z.B. Keynotes von Wilhelm Högner, damals Münchener CIO, zum LiMux-Projekt anno 2005. Und eine von Thorsten Werner und der Open-Source-Umstellung im Auswärtigen Amt war 2007 auch schön, nur leider hat sich ja da kürzlich die Wirklichkeit geändert.

Als jemand, der selbst in der Sicherheit seine Brötchen verdient, freut es mich natürlich, dass dieses Thema bei uns auch breit vertreten ist, und das nicht erst seit 2011. Das Interessante in diesem Jahr ist, dass vieles nicht nur technischer Natur ist, sondern sich auch um den Menschen dreht. Natürlich kommen wir nicht um Cloud Computing herum, und wir sind froh, dass Christoph Wegener uns dazu seinen Standpunkt erzählen wird. DNSSEC aus Providersicht von Stefan Neufeind stell ich mir auf der technischen Seite spannend vor. Soweit dies durch meine Brille.

Wie eingangs erwähnt, haben wir im Vortragsprogramm und bei den Tutorien auch noch ein gerüttelt Maß – was würden denn die Bayern zu so einem Humpen sagen, SCNR – solider Materie. Ich freue mich, dass wir zwei Vorträge zu Datenbanken haben, Konfigurationsmanagement und Monitoring sind auch doppelt vertreten. Zu Dateisystemen – lokal und verteilt gibt’s ne Menge: Neugierig kann manauf das neue Ceph (Titel: Datenkrake) sein, Daniel Kobras weiß bestimmt Interessantes über NFS zu erzählen, Volker Lendecke eh, und die Sunnies und IBMler erzählen was über Ihre verteilten Dateisysteme (GPFS) sowie Storage und IO (SSD, Infiniband). Spannend wird der Vergleich zwischen der Solaris-Netzwerkvirtualisierung und dem VDE von Linux am zweiten Tag.

Außerdem – ich hätt’s beinahe ganz vergessen: Rainer Gerhards ist, was syslog angeht, halt ’ne Größe: Er hat das rsyslog verbrochen, das fast alle Linux-Distros mittlerweile einsetzen und ist in verschiedenen Gremien, die das Schicksal von Logging bestimmen (IETF syslog, Mitre Common Event Expression).

So viel zu meinen Rosinen. YMMV, wie man so schön sagt.

Die ersten zwei Tage bestehen traditionell aus Tutorien. Kann das FFG auch als Weiterbildung angesehen werden, und spricht es neben Profis auch Studenten an?

Oh, klar kann und sollte man das FFG als Weiterbildung sehen. Wer bei den Tutorien oder dem nachfolgenden Konferenzteil nichts lernt, der muss die ganze Zeit irgendwo in einer stillen Ecke gesessen und sich mit niemandem unterhalten haben. Auch letzteres, das Miteinander – vulgo der Hallway Track – ist ein weiterer Grund, warum viele auf Konferenzen fahren. Man kann sich mit Leuten austauschen, die ähnliche Fragestellungen in Ihrer Firma beantworten müssen oder mussten, rein technische oder andere. Da hilft der Blick über den Firmentellerrand, und man kommt plus dem, was man von den Vorträgen und Tutorien mitnimmt, mit frischen Ideen an seinen Arbeitsplatz zurück.

Nicht verschwiegen werden sollte, dass man sich abends entweder beim zum FFG gehörenden geselligen Abend oder abseits der Konferenz noch auf ein Bier oder zwei trifft und sich dort auch noch mal austauscht. Ok, als Rechtfertigung auf eine Konferenz zu fahren, sollte man letzteres nicht unbedingt bei seinem Chef hervorbringen. Obwohl der’s ja nun wahrscheinlich auch nicht anders macht, ggf. ist das ja denn ein Mittagessen. Außerdem trifft man im Jahresabstand immer dieselben Leute beim FFG; das ist jetzt durchaus positiv gemeint :-)

Studenten können sicherlich auch viel lernen und nicht nur ich, der mit Herz mal in Forschung und Lehre gearbeitet hat, halte es für extrem wichtig, dass der Nachwuchs über den Uni- bzw. Fachhochschul-Tellerrand schaut. Das soll auch Aufgabe des Vereins sein. Die jetzigen Studenten sollen ja später die sein, die die IT-Umgebungen bestimmen, wenn unsere Generation direkt mit  „Ambient Assisted Living“ konfrontiert wird </uebertreibung>. Da die Studis naturgemäß nicht das dicke Portemonnaie wie Berufstätige haben, geben wir kräftig Rabatt.

Ihr veranstaltet das FFG schon seit mehr als 20 Jahren. Inwieweit haben sich Programm und Besucher verändert?

Gute Frage! Einen ersten Vorläufer des heutigen FFGs gab es bereits 1985, also direkt nach der Gründung der GUUG im Herbst 1984. Gemessen selbst am Jahr 2002 – das erste auf unserer Website verzeichnete FFG – bin ich gar nicht so lange auf der Nicht-Zuhörer-Seite dabei. Und die ersten Male als Zuhörer hat man auch einen anderen Blickwinkel. Was ich seit meiner aktiven Zeit mitbekommen habe,  ist, dass ein Generationenwechsel stattgefunden hat, sowohl sprecherseitig als auch auch ein wenig von den Zuhörern. Ersteres hängt sicherlich auch mit geänderten beruflichen Prioritäten zusammen, stellenweise aber auch mit den Themen der Gegenwart, die sich halt in der schnelllebigen IT ändern. Ein „Cutting-Edge“-Thema von gestern ist halt heute ein alter Hut. Außerdem hat sich ja ’ne Menge „diversifiziert“. So konnte man vor 15 Jahren noch ohne zu flunkern sagen, ich weiß alles über IT-Sicherheit oder Linux oder Solaris oder Netzwerk-Technologien usw.  Heute kann man selbst Experte in einem Teilbereich von einem dieser Themen sein, aber ein vollständiges Wissen über den gesamten Teilbereich wird man lange nicht mehr so haben wie das vor 15 Jahren möglich war. Das wird künftig so weitergehen.

Es gibt aber auch feste Größen bei uns: Volker Lendecke von Sernet ist zum Beispiel „so lange ich denken kann“ fast immer mit einem Samba-Thema dabei. Der Vortragstitel ist jedes Jahr ähnlich, aber der gute Volker weiß jedesmal die Fortschritte super interessant rüberzubringen. Ist ja auch ein technisch spannendes Feld. Denn gibt es eine Reihe Tutorien, die Selbstläufer sind und immer wieder gebucht werden, allen voran „Plattformübergreifende Dateidienste sicher anbieten“ von science+computing sowie den Schweizer-Messer-Vortrag „Netzwerküberwachung mit Open-Source-Tools“.

Dann hat Sun, ‚tschuldigung: Oracle, seit ca. 2007 bei uns fast Stammredner, die recht interessante Vorträge halten. Sun war ja eine Firma, die technisch gute Visionen hatte und die auch umsetzen konnte. Mal schauen, was Oracle weiter draus macht. Wo wir bei den kommerziellen sind: IBM „mogelt“ sich auch langsam rein, inklusive Prof. Dueck ist Big Blue ist diesmal mit 200% mehr Sprechern vertreten.

Das Frühjahrsfachgespräch wird wie andere Veranstaltungen der GUUG und ihrer regionalen Gruppen fast vollständig im Ehrenamt organisiert. Wo findet der, der bei Euch mitarbeiten möchte, einen Anlaufpunkt?

Das ist eine überraschende Frage, in positiver Hinsicht! Wir haben eigentlich im Vorstand, wo  derzeit die meiste Arbeit getan wird, mehr Aufgaben, als wir bewältigen können. Wo’s uns derzeit dran mangelt, ist Hilfe bei der Mitgliederzeitung (LaTeX-Satz+Redigieren), vielleicht jemand, der tief im Thema CMS drinsteckt (bitte kein Typo3-Nerd), und so ein paar Programmierstunden Java würden uns helfen beim Konferenzgeschäft.  Im Zweifelsfall einfach eine Mail an vorstand@guug.de schicken. Ein Verein lebt davon, dass möglichst viele mitmachen!

Wir freuen uns aber auch über jedwede andere Hilfe. Das Einfachste ist, an unseren  lokalen Treffen und Konferenzen teilzunehmen – auf der einen oder anderen Seite.

Vielen Dank für das Gespräch.

„Da nicht für“ so wie man hier sagt.

Über Dirk Wetter: Dr. Dirk Wetter lebt in Hamburg und ist IT-Sicherheitsberater.  Außerdem engagiert er sich ehrenamtlich im Bereich Websicherheit (OWASP Germany) und Unix (Vorstand GUUG e.V.).  Für das Frühjahrsfachgespräch trägt er als Vorsitzender des Programmkomittees maßgeblich zur inhaltlichen Ausrichtung bei.

Über das Frühjahrsfachgespräch: Das FFG ist ist die jährliche Veranstaltung für Profis im Bereich Unix, Netze und IT-Sicherheit. Gleichzeitig ist es der „Hauskongress“ der German Unix User Group. O’Reilly unterstützt das FFG bereits seit vielen Jahren. Mehr Informtionen und ein ausführliches Programm erhalten Sie hier, aktuelle Infos auch über Twitter.

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1 Kommentare

  1. Dirk meint:

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    Wie eingangs erwähnt, haben wir im Vortragsprogramm und bei den Tutorien auch noch ein gerüttelt Maß – was würden denn die Bayern zu so einem Humpen sagen, SCNR – solider Materie.
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    Ein Bayer würde im konkreten Fall am ehesten von „einem gscheidn Batzn“ reden und seine Maß (die man bei uns als Mass spricht) auch niemals rütteln. Das macht nämlich nur Schaum :-)

    wolfgang

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