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Studienfach Informatik an der Universität

An dieser Stelle stelle ich nun den Bachelor-Studiengang Informatik einer Universität vor  – lesen Sie, wie das Studium an der Uni Jena aufgebaut ist und was mein Gesprächspartner Prof. Denzler Studierenden und Studieninteressierten empfiehlt.

„Fundierte und breit gefächerte Grundlagenausbildung“

Im Gespräch mit Prof. Dr.-Ing. Joachim Denzler vom Institut für Informatik an der Friedrich-Schiller-Universität Jena

Prof. Dr.-Ing. Joachim Denzler von der Uni Jena

Prof. Denzler, wieviele Studenten schließen an der Uni Jena jährlich mit Bachelor of Science in Informatik ab?

Da die Bachelor-Studiengänge der Informatik an unserer Fakultät erst mit dem  Winter­semester 2008/09 eingeführt wurden, haben wir leider noch keine Studenten, die ein Bachelor-Studium abgeschlossen haben. Aus den derzeitigen Studentenzahlen zeichnet sich jedoch ab, dass für den ersten Bachelor-Jahrgang im Jahr 2011 in etwa insgesamt 55 Studenten den Abschluss erreichen werden (davon 35 Studenten den BA Informatik und 20 Studenten den BA Angewandte Informatik). Die Abbrecherquote in den BA-Studiengängen liegt mit ca. 30% leicht unter der des Diplomstudienganges, wobei als Tendenz festzustellen ist, dass die meisten Studierenden das Studium, wenn, dann sehr früh, meistens noch vor dem dritten Semester vorzeitig beenden.

Bleiben wir bei den Zahlen: Wieviele Studierende werden pro Wintersemester zugelassen, und wieviele Mitarbeiter kümmern sich um sie?

In den beiden bisherigen Studienjahrgängen haben sich jeweils in etwa 80 Studenten für das BA-Studium eingeschrieben. Die Mehrzahl (ca. 50 Studenten) entscheidet sich dabei für die eher klassische Informatik-Ausbildung in Form des BA Informatik. Der BA Angewandte Informatik schneidet bezüglich der Studentenzahlen leicht schlechter ab und wird durchschnittlich von ungefähr 30 Studierenden aufgenommen. Insgesamt sind an der Fakultät für Mathematik und Informatik 33 Professoren und 90 wissenschaftliche Mitarbeiter beschäftigt. Zur Durchführung der Lehrveranstaltungen und Übungen für die ersten beiden Semester der Bachelorstudiengänge Informatik und Angewandte Informatik (ohne Anwendungs- und Nebenfachausbildung) werden ca. 10 Professoren und 14 wissenschaftliche Mitarbeiter, sowie diverse zusätzliche studentische Hilfskräfte, eingesetzt.

Wo sehen Sie die Unterschiede zu einem Informatikstudiengang an einer Fachhochschule? Wem würden Sie ein Studium an der Uni empfehlen?

Die Informatik an einer Universität wie der Friedrich-Schiller-Universität Jena bietet eine wissenschaftlich fundierte Ausbildung. Dadurch werden die Studenten auf den Umgang mit den Ideen und Technologien von morgen vorbereitet, die heute an den Universitäten entwickelt werden, und somit mit den Grundlagen für eine Tätigkeit in Forschung und Entwicklung in Unternehmen versehen. Zugleich bestehen die Möglichkeiten, sich in verschiedenen Lehr- und Forschungskooperationen mit der Industrie auf das spätere Berufsleben vorzubereiten oder im Anschluss an das erfolgreiche Studium zu promovieren. Die dabei auch stattfindende Praxisorientierung wird an Fachhochschulen stärker betont und stellt somit vor allem für einen direkten Berufseinstieg nach dem Bachelor die Weichen.

Studierende, die sich zu Beginn des Studiums nicht ausschließlich auf eine industrielle Tätigkeit festlegen, sondern größere Flexibilität bei der möglichen Laufbahn erhalten wollen, können dieses Ziel mit einem Studium an der Universität am besten verfolgen.

Der Campus am Ernst-Abbe-Platz: Hier sind die Informatiker zuhause!

Der Campus am Ernst-Abbe-Platz, im Hintergrund sichtbar ist der Intershop-Tower.

Raten Sie zu frühzeitiger Spezialisierung? Gibt es diese Möglichkeit an der Uni Jena?

Die Basis einer guten Informatikausbildung sollte in jedem Fall eine fundierte und breit gefächerte Grundlagenausbildung sein. Für Studierende, die einen reinen Bachelor-Abschluss anstreben und ihr Wissen nicht in einem sich anschließenden Masterstudium vertiefen wollen, sollte meiner Meinung nach auch während des Bachelorstudiums, wenn auch im angemessenen Maße, die Möglichkeit zur Spezialisierung und Vertiefung bestehen.

Einer der Hauptziele unserer Informatik-Bachelor-Studiengänge ist, die Studier­en­den auf eine berufliche Tätigkeit vorzu­bereiten, beziehungsweise mit einer breit angelegten Ausbildung in den wissenschaftlichen Grundlagen der Informatik die Basis für wei­tere Aus- oder Weiterbildungsabschnitte innerhalb oder außerhalb der Hochschule zu legen.

Zur Aneignung des dafür notwendigen Basiswissens sind die Studieren­den des BA Informatik und des BA Angewandte Informatik verpflichtet, in den ersten drei Semestern an einer Reihe von Grundvorlesungen aus den verschie­denen Bereichen der Informatik- wie etwa Modellierung und Program­mie­rung,  Algorithmen, Datenstruk­turen und Komplexität beziehungsweise Rech­ner­strukturen und Hardware – sowie an ausgewählten mathematischen Einführungs­ver­anstaltun­gen teilzunehmen.

Beginnend mit dem vierten Fachsemester können die Studierenden in den Bachelor­-Studiengängen dann, ent­sprechend dem besonderen For­schungsprofil der Fakul­tät für Mathematik und Infor­matik in Jena, tiefergehende Wahlpflichtveran­stalt­ungen aus den  Gebieten der Theoretischen Informatik und Algo­rithmik, der Informations- und Softwaresysteme, der intelligenten informationsverarbeitenden Systeme so­wie der parallelen und eingebetteten Systeme besuchen. Dabei gilt beispielsweise für den BA Informatik, dass wieder zur Abdeckung einer breiten Basisaus­bild­ung mindestens jeweils Kurse im Rahmen von 6 Leistungspunkten aus allen vier Vertief­un­gsrichtungen besucht werden müssen. Zusätzliche Veranstal­tun­gen im Umfang von 18 Leistungs­punkten kann der Studierende, insbesondere für eine etwaige Spezialisierung, dann noch aus einem oder verteilt aus allen der vier Vertiefungsgebiete wählen.

Eine besondere Art der Spezialisierung erfahren die Studierenden unseres BA Ange­wand­te Informatik. In diesem Studiengang müssen sich die Studierenden durch die Wahl des Anwendungsfaches im ersten Semester bereits sehr früh für eine stark profilbildende Spezializierung entscheiden. Diese frühzeitige Spe­ziali­sie­r­ung ist jedoch nur anwendungsbezogen und wird deshalb notwendig, weil die Stu­die­renden in diesem Studiengang bereits mit dem ersten Semester an die theoretische, prak­tische und tech­ni­sche Denkweise in einem interdiszipli­nä­ren Umfeld heran­ge­führt wer­den sollen.

Zum Abschluss: Wissen Sie etwas darüber, wie gut Ihre Absolventen einen Job finden? Wie schätzen Sie die Arbeitsmarktlage für Informatiker generell ein?

Die  Absolventen unserer bisherigen Diplomstudiengänge haben, gerade wegen der an unserer Fakultät verfolgten recht praxisorientierten Ausbildung, oftmals sehr gute Anstellungen bei deutschland- aber auch weltweit agieren Firmen erhalten. Tatsächlich ist mir persönlich kein Studierender unserer Fakultät bekannt, der nach einem abgeschlossenen Studium nicht auch eine feste Anstellung aufnehmen konnte. Der Arbeitsmarktsituation für unsere BA-Studierenden sehe ich ebenso op­ti­mis­tisch entgegen, da mit der Einführung dieser Studiengänge die Studieninhalte noch praxisrelevanter geworden sind und zudem die erfolgte Verkürzung der Studienzeiten nun gerade von den kleinen, aber auch von großen, Unternehmen seit Jahren gefordert wurde.

Die allgemeine Arbeitsmarktlage für Informatiker wird auch in Zukunft weiter hervorragend sein.  Wie in der Vergangenheit, werden weiterhin eine Vielzahl von gut ausgebildeten und kompetenten Informatikern benötigt. Aufgrund der weltweit rapide abnehmenden Studentenzahlen im Bereich der Informatik und anderer computerorientierter Studiengänge scheint mir sogar ein zukünftiger Mangel an Infor­matik­kräften nur eine Frage der Zeit zu sein.

Die Informatik an einer Universität wie der Friedrich-Schiller-Universität Jena bietet eine wissenschaftlich fundierte Ausbildung. Dadurch werden die Studenten auf den Umgang mit den Ideen und Technologien von morgen vorbereitet, die heute an den Universitäten entwickelt werden, und somit mit den Grundlagen für eine Tätigkeit in Forschung und Entwicklung in Unternehmen versehen. Zugleich bestehen die Möglichkeiten, sich in verschiedenen Lehr- und Forschungskooperationen mit der Industrie auf das spätere Berufsleben vorzubereiten oder im Anschluss an das erfolgreiche Studium zu promovieren. Die dabei auch stattfindende Praxisorientierung wird an Fachhochschulen stärker betont und stellt somit vor allem für einen direkten Berufseinstieg nach dem Bachelor die Weichen. Studierende, die sich zu Beginn des Studiums nicht ausschließlich auf eine industrielle Tätigkeit festlegen, sondern größere Flexibilität bei der möglichen Laufbahn erhalten wollen, können dieses Ziel mit einem Studium an der Universität am besten verfolgen.

Prof. Denzler, ich danke Ihnen für das Gespräch.

Der Studiengang Informatik an der Friedrich-Schiller-Universität Jena umfasst sechs Semester und schließt mit dem Bachelor of Science ab. Gelehrt werden unter anderem die inhaltlichen Schwerpunkte „Modellierung, Programmierung, Systemsoftware“, „Algorithmen, Datenstrukturen und Komplexität“, „Rechnerstrukturen und Hardware“, „Intelligente, informationsverarbeitende Systeme“ sowie mathematische Grundlagen. Außerdem kann ein Nebenfach frei gewählt werden, zum Beispiel auch Philosophie oder Wirtschaft. Neben dem klassischen Informatikstudium bietet die Hochschule auch den siebensemestrigen Studiengang „Angewandte Informatik“, bei dem ein Anwendungsfach außerhalb der Informatik den Fokus auf eine interdisziplinäre Ausbildung legt und ein Industriepraktikum integriert ist, sowie Bioinformatik (Bachelor) und Wirtschaftswissenschaften mit der Ausrichtung Wirtschaftsinformatik. Ein anschließendes Masterstudium ist im Fach Informatik sowie dem interdisziplinärem Studiengang “Computational Science” möglich. Mehr Informationen erhalten Sie auf der Website der Fakultät für Mathematik und Informatik unter dem Punkt Studium.

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