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Brötchenmarathon oder wie man die freien Projekte auf dem LinuxTag verpflegt

Noch ist fast ein halbes Jahr Zeit bis zum nächsten LinuxTag. Aber  Veranstaltungen dieser Größenordnung benötigen ordentlich Vorlauf.  Hier bei O’Reilly buchen wir gerade einen Stand für den LinuxTag  2010. Wie zu lesen war, plant das Team des LinuxTag e.V. anlässlich seines 10jährigen Bestehens einen Reboot der Veranstaltung im nächsten Jahr und ruft nochmal eindringlich alle Interessierten dazu auf, den LinuxTag  mitzugestalten.

Von einem weniger beliebten und doch wichtigen Helferjob berichtet  hier Elke Moritz: Wie man kostengünstig Helfer und die Aussteller  der freien Projekte verpflegt. Und weil es ihr wichtig ist, dass  LinuxTag-Helferinnen nicht zwangsläufig in der Küche landen, bringen  wir ihren Beitrag in unserer Reihe „Frauen in der IT“.

Das geht nur auf dem LinuxTag: Küchendienst und trotzdem Spaß haben (Guido Müller fotografiert von Florian Auer, LinuxTag 2008)

Das geht nur auf dem LinuxTag: Küchendienst und trotzdem Spaß haben (Guido Müller LinuxTag 2008, Foto: Florian Auer)

Als meine Familie vor einigen Jahren renovierte, sagte mein Vater zu  mir „Dein Bruder hilft mir gleich beim Tragen des Schranks – saugst  Du bitte schon mal die Ecke aus“? Das hat mich schon damals auf die  Palme gebracht. Warum sollen Frauen immer die Hausarbeit machen und  nur Männer schwere Sachen tragen? Als ich das meinem Vater sagte,  sah er es ein und mein Bruder musste staubsaugen…

Überhaupt bin ich kein Fan von Hausarbeit. Ich bin Informatikerin.  Ich baue viel lieber neue Festplatten in meinen Rechner ein als  abzuwaschen oder staubzusaugen. Für viele Informatiker ist zum  Beispiel eine Waschmaschine ein reiner Nutzgegenstand. Bis sie dann  beim Kauf einer neuen Maschine feststellen, dass es auch Modelle mit coolen blauen Displays gibt oder sogar Maschinen, bei denen weitere  Programme nachinstalliert werden können. Dann wird es interessant.

Aber zum eigentlichen Thema: Als Mitglied im LinuxTag e.V. habe ich  in den letzten beiden Jahren den sogenannten Projekte-Lunch  organisiert. Die Firmen Tarent und Univention hatten  freundlicherweise Geld zur Verfügung gestellt, um die Helfer der  freien Projekte mit Mittagessen zu versorgen. Um mit dem vorhandenen  Budget möglichst viele Leute zu verpflegen, hatte ich mich  bereiterklärt, das Ganze in die Hand zu nehmen.

Der Projekte-Lunch beim LinuxTag 2008 wird uns immer als der  Brötchenmarathon in Erinnerung bleiben. In 5 Tagen haben wir 3000  belegte Brötchen geschmiert. Und einiges an Erkenntnissen gewonnen:  So fehlte vielen männlichen Helfern die Übung im Umgang mit Messern,  was leider zu mindestens einem Verletzten pro Tag führte (man sollte  aus dem Brötchenaufschneiden eben auch keinen  Schnelligkeitswettbewerb machen). Auch wurde an den Tagen, an denen  die Brötchen fast ausschließlich von Männern belegt wurden,  erheblich mehr Margarine & Co verwendet.

Auf die Brötchen, fertig, los: LinuxTag 2008 (Foto Florian Auer)

Auf die Brötchen, fertig, los: Brötchenmarathon auf dem LinuxTag 2008 (Foto: Florian Auer)

Auf große Begeisterung ist das Brötchenschmieren nicht bei allen  gestoßen. Die Zubereitung war so personal- und arbeitsintensiv, dass  einige am liebsten wieder einen externen Caterer engagiert hätten.  Was aber bedeutet hätte, dass wir höchstens halb so viele Leute  hätten verköstigen können. Deshalb (und weil alle, die am  Brötchenmarathon beteiligt waren, danach erstmal mehrere Wochen  keine Brötchen mehr sehen konnten) gab es  dieses Jahr beim LinuxTag  2009 ein Salat- und Sandwichbuffet („Pimp your own sandwich“) für  alle Helfer und ausstellenden freien Projekte.

LinuxTag 2009: Helfer & freie Projekte bei der Mittagspause (Foto: Elke Moritz)

LinuxTag 2009: Helfer & freie Projekte bei der Mittagspause (Foto: Elke Moritz)

Die personelle Planung im Vorfeld war leider wie immer nicht  einfach. Bei einer so großen Veranstaltung wie dem LinuxTag gibt es  eine Menge verschiedener Helferjobs, aber immer zu wenig  Freiwillige, die sich bei uns vor der Veranstaltung melden. Und für  Aufgaben wie die Betreuung der Vortragsräume, der Technik oder des  Netzwerks finden sich eben viel eher Freiwillige, als für das  Schmieren von Brötchen. Wie eingangs beschrieben, wiederstrebt es  mir total, eine Frau, die sich zum Helfen meldet, automatisch für  die Arbeit in der Küche einzuteilen. Deshalb fragen wir auch jeden  Helfer, für welche Aufgaben er bzw. sie sich interessiert.

Trotzdem blieb aber auch dieses Jahr die Organisation des  Projekte-Lunchs wieder in Frauenhand. An dieser Stelle vielen  herzlichen Dank an Barbara und Annette, die sich wärend der  Veranstaltung dazu bereiterklärten, das Zepter in der Zille-Stube zu  übernehmen. Bedanken möchte ich mich auch bei allen Helfern,  darunter viele Brötchenschmier-Veteranen. Vielleicht übernimmt ja  jemand von den Veteranen nächstes Jahr das Zepter beim  Projekte-Lunch? Gerne auch mal ein Mann.

Über die Autorin: Elke Moritz ist Diplom-Informatikerin mit mehrjähriger Erfahrung in Computergrafik, Virtual Reality und medizinischer Visualisierung. Zur Zeit arbeitet sie in der Softwareentwicklung für Smartphones im Test & QA Bereich. Sie ist Gründungsmitglied im LinuxTag e.V. und koordiniert neben der Verpflegung der Projekte und Helfer auch die Messestände der freien Projekte. Interessierte Helfer können sich entweder direkt an sie unter moritz@linuxtag.org oder an das Helferorganisationsteam unter helferorga@linuxtag.org wenden.

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3 Kommentare

  1. Finde ich toll das du Mitglied bist in der LinuxTag e.V. Ich kann mir es ganz gut vorstellen das du noch ab und zu Albträume von den Brötchen schmieren noch hast. Aber deine Einstellung finde ich einfach unglaublich toll, dass du dich für die IT Welt begeistertes. Und vor allem Linux/Opensource!
    Das Männer immer die „schweren Sachen“ machen müssen und Frauen den Haushaltskram liegt wohl darin. Das wir noch ab und zu alt modernisch Denken. Heutzutage ändern sich Rollen, egal ob es der Haushalt ist oder die IT – Welt.

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