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Frauen in der IT: Mathe und Technik sind doch nichts für mich

Heute, am 24. März, ist Ada Lovelace Day!

If you’re a blogger and happy to write/video/podcast about one of your female technology heroes on 24th March 2009, please do join us in supporting the following fantastic initiative from Suw Charman-Anderson and sign-up to the Ada Lovelace Day Pledge:

I will *publish a blog post on Tuesday 24th March about a woman in technology whom I admire* but only if *1,000* other people will do the same. — Suw Charman-Anderson

Hier unser Beitrag zum Ada Lovelace Day, in dem es zwar nicht um eine einzelne IT-Heroin geht, aber darum, ein weit verbreitetes Vorurteil zum Thema „Frauen & Technik“ unter die Lupe zu nehmen. Nach unserem Überblicksartikel beschäftigt sich Frau Martina Diel hier und in weiteren Beiträgen mit weit verbreiteten Mythen über Frauen in der IT. Sie geht der Frage nach, ob Frauen in der IT seltene Exoten sind oder ganz normale Menschen und was sie tun können, um in dieser Branche heimisch zu werden.

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Frauen in der IT: Mathe und Technik sind doch nichts für mich

„Ich bin halt sprachbegabt – Mathe und Technik sind nichts für mich, da bin ich in der Informatik doch fehl am Platze.“
Stimmt – selbsterfüllende Prophezeiungen funktionieren. Dass z.B. Lehrer ihre Schüler um so eher positiv bewerten, wenn man ihnen vorher sagt, dass diese Schüler besonders klug seien, ist bekannt als Rosenthal-Effekt und ein alter Hut.

Aber wir brauchen kein Gegenüber mit Geschlechterklischees im Kopf, damit der Mechanismus funktioniert. Auch in unserem eigenen Inneren, auf der ganz körperlichen Ebene, funktioniert das Prinzip. Der Körper bestätigt, was wir glauben. Dazu gibt es frappierende Studien:

Außerdem konnte Hausmann zeigen, dass Männer bei Aufgaben erst dann wirklich überlegen sind, wenn ihnen auch bewusst ist, dass es sich dabei um eine typisch männliche Leistung handelt. Sobald Mann sich in seiner Männlichkeit herausgefordert fühlt, verdoppelt sich die Testosteronkonzentration laut einer Untersuchung von Hausmann und der Hormonschub sorgt dann für die entsprechende Leistung. (Quelle: zeit.de)

Leider funktioniert das Ganze auch andersherum.

Psychologen von der University of Arizona haben nachgewiesen, dass Frauen ihre Schwierigkeiten bei Matheaufgaben plötzlich überwinden, wenn sie glauben, einfach nur ein Problem zu lösen, und ihnen die mathematische Natur der Aufgabe gar nicht bewusst ist. Ebenfalls verschwanden die Unterschiede zwischen Männern und Frauen, als die Psychologen die Frauen zuvor eingehend darüber aufklärten, dass ihnen vielleicht nur ihr Selbstverständnis als Frau bei den Matheaufgaben im Weg stünde. (Quelle: zeit.de)

Oder kurz: Sobald Reizworte wie „Mathe“ oder „Technik“ fallen, geraten viele Frauen in Schockstarre. Und das ganz unnötigerweise, denn es gibt keinen Hinweis darauf, dass sie im Vergleich zu Männern schlechter abschneiden.

Faszinierend finde ich auch, wie Werbung die mathematischen Leistungen von Frauen beeinflussen kann:

Ihre Leistung bricht auch ein, wenn sie vorher Werbespots sehen, in denen Frauen etwa eine Backmischung anpreisen – also in stereotypen Rollen auftauchen. (Quelle: zeit.de)

Schockierend? Ja, einerseits. Aber andererseits macht es auch Mut, denn es bedeutet: Viele Unterscheide sind nicht geschlechtsspezifisch und damit unabänderlich festgelegt.
Wer sich freimacht von Geschlechterstereotypen und angstmachende Vorurteile hinterfragt, hilft damit, vorhandende, aber noch verborgene Fähigkeiten zu erschließen. Da muss man nicht mühsam kompensieren, was fehlt, oder gegen eine übermächtige Biologie, Evolution, Genetik ankämpfen, sondern einfach nur rauslassen, was sich bisher versteckt hat, und üben, was lange brachlag.

Die vielgerühmte weibliche Sprachbegabung verliert man dadurch übrigens nicht, und sie ist auch in der Informatik ein Asset:
Ob die Anforderungen des Kunden korrekt wiedergegeben werden, bestimmt darüber, ob sie auch wie gewünscht realisiert werden können – und das entscheidet oft genug über den Gesamterfolg des Projekts. Wer es da schafft, eindeutig zu formulieren, und so, dass es Techies wie auch Laien verstehen, befindet sich in einer Schlüsselposition und wird hochgeschätzt sein, gerade von denen, die einfach nur in Ruhe codieren wollen.
Also Frauen: Traut euch und entdeckt, was in euch schlummert. Eure Fähigkeiten könnt ihr nicht nur dort verwenden, wo sie schlecht bezahlt werden. Nehmt euch euren Teil vom Kuchen! Der Informatik (und den Informatikern ;-)) wird’s guttun.


Über die Autorin:

Martina Diel hat vor fast zwei Jahrzehnten ein Romanistik-Studium absolviert, sich aber dann ganz neu orientiert und viele Jahre erfolgreich als Consultant, Projektmanager und Key Account Manager in der IT-Beratung gearbeitet. Seit 2005 bietet sie zusätzlich Berufs- und Bewerbungscoaching für all jene an, die in der IT-Branche tätig sind oder es werden wollen, und ist parallel weiter im Management von IT-Projekten tätig. Da sie selbst erfolgreich eine berufliche Umorientierung mit allen Hürden, aber auch großem persönlichen Gewinn vollzogen hat, kann sie andere besonders gut bei einer beruflichen Neuausrichtung unterstützen.
Für O’Reilly hat sie das IT-Karrierehandbuch verfasst.

4 Kommentare

  1. Schöner Beitrag!

    Allerdings, was ich wirklich traurig finde: Sie reden von „freimachen von Geschlechterstereotypen“ und „Hinterfragen von Vorurteilen“, Abkehr vom Kampf gegen „Biologie, Evolution, Genetik“ und „üben was lange brachlag“.

    Warum schreiben sie dann im nächsten Abschnitt GENAU DARÜBER? Über die „vielgerühmte weibliche Sprachbegabung“. Ist das nicht Geschlechterstereotyp? Ist das nicht ein Vorurteil, das auf angeblichen biologischen, genetischen Faktoren beruht?

    Haben sie denn dafür auch Quellen? Ich hätte da http://www.wissenschaft.de/wissenschaft/news/280121 . Vielleicht ist die „weibliche Sprachbegabung“ doch genauso ein erfundenes Klischee wie die männliche Dominanz bei Matheaufgaben.
    Ich verstehe natürlich, was sie damit bezwecken wollen: Frauen sollen sich trauen, in die IT-Branche zu kommen, und da stellt man das natürlich gerne mal so da, als seien Frauen sogar besser geeignet als Männer. Die Frage ist aber: Wenn Frauen weiterhin glauben, sie seien so unglaublich sprachbegabt, nehmen sie dann überhaupt Berufe an, die wenig mit Kommunikation zu tun haben? Werden sie dann Programmiererin oder Administratorin ohne Kundenkontakt? Wohl eher nicht.

  2. Hallo Martin,

    danke für Ihren Kommentar – schön, dass der Artikel auch noch über 3 Jahren noch Leser findet.

    Sie rennen mit Ihren Anmerkungen bei mir offene Türen ein. Selbstverständlich glaube auch ich nicht an eine biologisch determinierte weibliche Sprachbegabung.

    Ich scheine das wohl am eigenen Beispiel belegen zu wollen, denn ich habe mich offensichtlich nicht präzise ausgedrückt. ;-)

    Statt „vielgerühmte weibliche Sprachbegabung” wäre „häufig beschworene weibliche Sprachbegabung“ oder „vermeintliche oder tatsächliche weibliche Sprachbegabung“ eher dem angemessen gewesen, was ich gemeint habe.

    BTW: Sogar die Admins und Coder müssen kommunizieren, z.B. mit den Usern. ;-)

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